Für ein neues Paradigma der Verbundenheit

Die multiplen Krisen, die wir in unseren Gesellschaften sehen, sind meines Erachtens ein Zeichen dafür, dass hier gerade etwas zu Ende geht. Dass viele Menschen sich orientierungslos, ausgebrannt, süchtig, und sinnentleert fühlen – oder sich mit eine Vielzahl an Coping-Strategien von diesen Gefühlen abzulenken versuchen – zeigt, dass die alten Erzählungen davon, wer wir sind, und was unsere Aufgaben sind, zunehmend weniger an Kraft und Orientierung geben.

Charles Eistenstein nennt das, was derzeit zu Ende geht, das Zeitalter der Separation. Dieses ist eng verknüpft mit dem Patriarchat. Eigenschaften unseres Selbst, die mehr in Richtung Verbindung, Unterstützung, Fürsorge für andere und den Planten sowie Kooperation gehen, wurden in den letzten Jahrhunderten in den Bereich des Privaten gedrängt und abgewertet – und als Attribute häufig weiblich sozialisierten Personen angehängt. Unsere Gesellschaft, Ökonomie, unsere Politik und vielen andere Teilbereiche der Gesellschaft sind dominiert von einer Vorstellung, dass wir voneinander getrennte Einzelindividuen sind, die – sofern das nicht begrenzt wird – in ihrem eigenen Interesse handeln und Ihre ökonomischen, reproduktiven oder politischen Vorteile auszubauen versuchen. Die Effekte von diesem Selbstkonzept (das separierte Selbst) und den auf ihm aufbauenden sozialen und ökonomischen Institutionen können wir täglich in den Medien und auf der Straße sehen: Zerstörung, Tristesse, Krieg und Gewalt, Armut, Konkurrenz und Leere.

Meine Arbeit trägt dazu bei, die Entwicklung eines neuen Paradigmas zu stützen. Ein Paradigma, in dem wir uns (wieder) entdecken als verbundene Elemente eines großen Netzwerkes, abhängig voneinander, eingebettet in unsere Sozial- und Ökosysteme, von denen wir ein integraler Bestandteil sind: sei es durch die Sichtbarmachung der vielen Arbeiten (Care-Arbeiten), die der Fürsorge anderer Personen dienen und die häufig nach ganz anderen Maßstäben ablaufen, als es die gängigen Modelle ökonomischen Handelns suggerieren, sei es durch die Begleitung von Einzelpersonen, Gruppen und Organisationen, hin zu einer zwischenmenschlichen Kultur, in der Verbindung vor Trennung steht.

Ich glaube die nächsten Jahrzehnte werden spannend: Es muss sich so viel ändern und es wird sich viel ändern (müssen). In welche Richtung, das hängt maßgeblich davon ab, wie wir uns einbringen, um ein neues Modell des Miteinander zu gestalten, dass nachhaltig, gerecht, solidarisch und schön ist.